Skalierung: Höher, schneller, weiter oder step by step?

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Es geht um Skalierung. Bedingungsloses Wachstum oder überlegte Erweiterung. Am Beispiel von Strohhalmen. Ein Kickoff-Artikel.

Über die Skalierung von Strohhalmen

Es sind die spontanen Einfälle: Während Texte für die Webseite ihrer dringend notwendigen Überarbeitung entgegenfiebern, beißt sich das Gehirn an einem gordischen Knoten die Zähne aus. Die besten Übungen gegen drohende Blockaden sind ein Gespräch oder eine kurze kreative Beschäftigung mit einem Ergebnis. So etwas motiviert und schafft alternative Herangehensweisen. Ziel war ein kurzer Beitrag für unsere Social-Media-Kanäle mit Bild und geringen Textumfang. Am besten mit Beteiligung der Follower, so wie es jeder zweite Artikel über Online-Marketing vorbetet. Doch hier soll es um Erkenntnisgewinn gehen, der uns und den Lesern wirklichen Mehrwert bringt. Für den (digitalen) Mülleimer schreiben wir ungern.

Ausgangspunkt der Betrachtung war ein Teambuilding-Event, gedacht als lockerer Einstieg in ein firmeninternes Review. Zwei Parteien sollten in zehn Minuten ein größtmögliches Gebilde aus Strohhalmen bauen, welches mindestens fünfzehn Sekunden nicht in sich zusammenfällt bzw. stehenbleibt. Das Konstrukt, welches diese Bedingungen erfüllte, sollte den Erbauern ewigen Ruhm und einen Arbeitsplatz bei der Fertigstellung der BER-Erweiterung einbringen. Scrum-Kenner haben solche Spiele sicher schon mit Spaghetti und Marshmellows durchgeführt.

In beiden Gruppen wurde sich jeweils auf eine Konstruktionsweise geeinigt und die Produktion in vorgefertigte Baugruppen aufgeteilt. Den Unterschied machten die Konstruktionen, die zwei unterschiedliche Herangehensweisen offenlegten.

Büropalme gegen verhedderten Drachen

Strohhalmkonstrukt des Team Büropalme

Sicherer Stand dank Klebeband

Team 1 (Büropalme) entschied sich für die Variante: Höher, schneller, weiter. Es vermaß den Abstand Boden zur Decke, naturgemäß die größtmögliche Höhe in einem Raum, und produzierte drei Stränge in sich verdrillter Strohalme. Am Ende sollte ein dreiseitige Tetraeder entstehen, der in einer Ecke halt finden würde. Zehn Minuten erscheinen viel, doch mit weniger als einer Minute verbleibend, schrumpfte das Projekt zu einer Art Strohhalmstrang, gehalten nur von der Kraft von Klebestreifen. Er erinnerte an eine Büropalme, die schon länger nicht mehr gegossen wurde.

Strohhalmkonstrukt des Teams Drachen

Stabil auch in luftiger Höhe.

Team 2 (verhedderter Drachen oder einfach Drachen) entwickelte dagegen eine stabile Konstruktion. Grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Drachenbau, Statik oder Bridgebuilder ließen sich nicht von der Hand weisen. Das Konstrukt konnte am Ende von allein stehen, wies aber Defizite in der Höhe auf. Auch verzweifelte Versuche diesen Makel zu beseitigen, scheiterten an deren Unrechtmäßigkeit: Die Gebilde mussten den Boden berühren und durften nicht einfach in der Lampe hängen.

Team Büropalme gewann daher den Wettbewerb. Bei genauerer Betrachtung protestierten die Mitglieder von Team Drachen gegen die, ihrer Ansicht nach, unrechtmäßigen Hilfsmittel. Der Schiedsrichter erklärte ihre Einwände jedoch für nichtig: Für ihn beschränkten sich die Bedingungen allein auf fünfzehn Sekunden Existenz ohne zusammenzufallen.

Der Erkenntnisgewinn

Zuallererst: Definiere möglichst genaue Anforderungen, bevor das Projekt startet. Während die genaue Vorgehensweise oder die genutzten Lösungen flexibel gehalten werden können, produziert ein ungenauer Anforderungskatalog unbefriedigende Lösungen bis hin zum Streit.

Der zweite Erkenntnisgewinn betrifft die Skalierung. Team Büropalme peilte das Maximum an, verschätzte sich bei der Zeit und konnte nur mit Tricks ein “stabiles” Endprodukt präsentieren. Team Drachen besaß dagegen eine stabile Konstruktion, die sich erweitern ließ, aber nicht die maximale Höhe erreichte. Es wäre legitim zu sagen, dass Team Drachen der eigentliche Sieger sein könnte. In der Geschichte finden sich jedoch genug positive Beispiele dafür, dass das Streben nach dem Maximum erfolgreich sein kann. Steve Jobs oder Elon Musk – hätten sie wirklich einen stabilen Drachen gebaut?

Wir glauben, dass sich dieses Skalierungsproblem auf die Bereiche Softwareentwicklung, IT-Struktur und Firmenwachstum erweitern lässt. Um diesen Text kurz zu halten (die Website wartet) und das Thema trotzdem sinnvoll zu erschließen, möchten wir eine Beitragsreihe starten. Gleichzeitig rufen wir zu reger Beteiligung auf: Twittern Sie unter dem hashtag #secuideas, hinterlassen Sie hier einen Kommentar oder schreiben Sie uns auf Facebook zu folgenden Fragen an:

  1. Sie sind Schiedsrichter: Welches Gebilde würde für Sie als Gewinner feststehen?
  2. Schnell wachsen vs. Schritt für Schritt – welche Variante bevorzugen Sie für Softwareentwicklung, IT-Struktur und Ihre Firma. Welches Vorgehen sehen Sie als die derzeit Dominante am Markt?
  3. Vorteile und Nachteile – eigene Erfahrungen? Gerne auch anonym.

 

Anmerkung:

An dieser Stelle möchten wir auch unseren Auszubilden danken, die das betreffende Review wirklich gut organisiert und moderiert haben.

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