Inhouse vs. Outsourcing: Welches Team passt zu meinem Projekt?

Festangstellter, Inhouse Freelancer oder externer Entwicklungsdienstleister

Bei der Umsetzung von Softwareprojekten gilt es nicht nur, sich für das methodische Vorgehen, wie Wasserfallmethode oder agile Entwicklung, zu entscheiden, sondern sich auch die Frage nach dem richtigen Team zu stellen. Wie so oft, gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept und für jede Situation ergeben sich unterschiedliche Vor- und Nachteile. Ich möchte daher auf einige Möglichkeiten und ihre Besonderheiten eingehen, um eine kleine Entscheidungshilfe für alle zu schaffen, die vor so einer Entscheidung im Bereich Software- oder Webentwicklung stehen.

Festangestellte

Kosten:

Festangestellte sind zwar sozialversicherungspflichtig, auf die einzelne Stunde heruntergerechnet sie sind jedoch nach wie vor die günstigste Möglichkeit, im IT Bereich Entwicklungsleistungen zu erhalten.

Vorteile:

Bei aller Flexibilität des heutigen Arbeitsmarktes, ist die Arbeitsbeziehung zwischen Unternehmen und Festangestellten im Regelfall längerfristig angelegt. Eine solche Perspektive ermöglicht  beiden Seiten eine gemeinsame Planung von langfristiger Weiterbildung und Softwareentwicklung. Ein weiterer Vorteil: Festangestellte identifizieren sich im Regelfall mit dem Produkt, welches sie entwickeln und übernehmen entsprechend Verantwortung.

Nachteile:

Die auf Dauer angelegte Arbeitsbeziehung ist gleichzeitig auch ein Problem: Eine große Brandbreite an Wissen über aktuelle Techniken ist ein entscheidender Faktor in der Software- und Webentwicklung. Trotz aller Weiterbildung ist das Budget fest für ein Team oder Mitarbeiter verplant, welches aber nur ein bestimmtes Set an Know-How besitzt. Beschränkte Teamgrößen und statische Besetzungen schränken die Möglichkeiten zum Austausch neuer Einsichten zusätzlich ein. Die Entwicklungsabteilung läuft hier Gefahr, in bestimmte Routinen zu verfallen. Der Arbeitgeber sollte es deshalb ermöglichen, neues Wissen zu erlangen oder einfließen zu lassen – nicht nur durch Weiterbildung.

Der entscheidende Nachteil bleibt aber der Recruitingprozess: Derzeit ist die Suche nach möglichen Mitarbeitern sehr aufwendig oder erfordert das teure Engagement von Headhuntern. Sind erst einmal potentielle Kandidaten gefunden, müssen diese auf fachliche Eignung geprüft werden. Normalerweise ist dies nur durch bereits vorhandene Mitarbeiter und intensive Code Reviews möglich. Dies macht den Neuaufbau eines Teams besonders schwer. Idealerweise bringen die neuen Angestellten eine natürliche Begeisterung für das Thema mit. So kann die Fortbildung aus eigenem Antrieb erfolgen, was das Risiko einer festgefahrenen Routine minimiert. Mit der Schaffung bestimmter Freiräume für kleine Projekte kann der Arbeitgeber dies unterstützen.

Für welche Projekte lohnen sich Festangestellte?

Nicht für nur ein kleines Softwareprojekt. Die Entwicklung sollte auf Dauer angelegt sein und die  Teamgröße sollte mindestens 4 bis 5 technische Mitarbeiter umfassen.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Neben den technischen Mitarbeitern muss das gesamte Projektmanagement abgedeckt werden. Dies reicht von einem professionellen Requirements Engineering bis hin zur Lösung von zwischenmenschlichen Problemen. Insbesondere neue Teams benötigen immer eine Phase, in der es zusammenfinden muss.

Freelancer

Kosten:

Freelancer werden meist nach Stunden bezahlt und haben, ihren Fähigkeiten entsprechend, variierende Sätze. Die Kosten bewegen sich zwischen denen professioneller Dienstleister und denen von Festangestellten. Eine Ausnahme sind hier die absoluten Experten, die aufgrund ihres Spezialwissens durchaus astronomische Sätze verlangen können.

Vorteile:

Programmierer, die ihre Dienste als Freelancer anbieten, haben meistens Vertragslaufzeiten zwischen einem Monat und maximal einem Jahr. Stimmt die Performance des Entwicklers nicht, ist es in der Regel relativ einfach, das Projektverhältnis aufzulösen. Die hohe Anzahl an Selbstständigen in der IT-Branche macht es deutlich leichter, geeignete Kandidaten zu finden. Im Regelfall kommen sie für ihre Arbeitsumgebung und ihre Weiterbildung selbst auf, denn ihr Wissen sowie Können sind Ihr Kapital. Bei einer projektbasierten Einbindung bringen sie damit oft neue Impulse ins bestehende Team, was neben der Flexibilität ihr größter Vorteil ist.

Nachteile:

Um eine wirtschaftliche Auslastung zu erreichen, arbeiten Selbstständige an möglichst vielen Projekten. So stehen sie selten für die Problembehebung oder Weiterentwicklung nach Projektende zur Verfügung. Jede Änderung erfordert daher eine zeitintensive Einarbeitung in das Projekt durch die neuen Freelancer. Einen freien Entwickler länger an sich zu binden, kann dagegen rechtliche Schwierigkeiten für den Auftraggeber ergeben, hier lautet das Stichwort Scheinselbstständigkeit.

Problematisch kann sich die Bezahlung nach Stunden und die fehlende Weisungsbefugnis des Arbeitgebers auswirken: Besonders das Entlohnungsmodell ist für effizientes arbeiten wenig förderlich.

Wie bei einem Festangestellten benötigt die Bewertung der Fähigkeiten und der Ergebnisse eines Selbstständigen viel eigenes Fachwissen.

Für welche Projekte lohnen sich Freelancer?

Freelancer bieten sich bei der Überbrückung von Spitzenlasten oder der Suche nach neuen Mitarbeitern an. Auch bei kleinen, überschaubaren und finiten Projekten, die nicht weiter entwickelt werden sollen, kann Ihr Einsatz sinnvoll sein. Um neue Ideen einfließen zu lassen oder unbekannte Techniken zu meistern, lohnt es sich, hin und wieder absolute Spezialisten mit ins Boot zu holen.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Die Performance von Freelancern hängt, wie auch bei Festangestellten, von mehreren Faktoren ab. Dabei sollte man beachten, dass die meisten Selbstständigen wenig Erfahrung haben, langfristig in einem konstanten Team zu arbeiten. Die Gefahr besteht also, dass man eine Gruppe Einzelkämpfer auf die gemeinsame Entwicklung einer Software ansetzt. Hierbei entstehen regelmäßig kleine und große Konflikte. Auch ein Team aus Freelancern muss erstmal herausfinden, wer welche Rolle einnehmen wird. Die Zeit, die diese sozialen Prozesse in Anspruch nehmen, sollte nicht unterschätzt werden.

Dienstleister

Kosten:

Die Kosten bei Dienstleistern hängen sehr stark von deren Arbeitsweise und der Erfahrung ab. Die Stundensätze liegen normalerweise oberhalb denen von Freelancern. Der dafür gelieferte Output kann aufgrund der Erfahrung und der vorhandenen Tools durchaus höher liegen. Manche Dienstleister bieten Projekte auch zum Festpreis an und übernehmen damit die unternehmerische Verantwortung. Bei großen Projekten bietet sich eine Zusammenarbeit auf Basis eines agilen Festpreises oder die Abrechnung auf Featureebene nach Storypoints an.

Vorteile:

Professionelle Softwaredienstleister besitzen meist eine Menge Erfahrung aus anderen Softwareprojekten. Zusätzlich fällt der gesamte Recruitingprozess weg und die Projektleitung für das Entwicklerteam wird im Regelfall vom Dienstleister übernommen. Neben den Kernleistungen werden oft noch umfangreiche Beratungsleistungen wie Requirements Engineering, Usability Beratung oder Onlinemarketing selbst oder bzw. einen Netzwerkpartner angeboten.

Das eingespielte Team und die verfügbaren Ressourcen ermöglichen eine deutliche schnellere Generierung von Output. Insgesamt werden die scheinbar höheren Kosten durch das Plus an Effektivität und die Übernahme der finanziellen Verantwortung deutlich kompensiert.

Nachteile:

Wer eine Applikation von einem Dienstleister entwickeln lässt, gibt viel Know How außer Haus. Es entstehen entsprechende Abhängigkeiten, die bewusst thematisiert werden sollten. Sowohl auf Produkt-, als auch auf finanzieller Ebene, erfordert eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Dienstleister Vertrauen. Da es auch in dieser Branche schwarze Schafe gibt, ist es absolut empfehlenswert, sich gegen negative Effekte abzusichern. Kurze Feedbackzyklen, Kostentransparenz und regelmäßige Evaluation der Zusammenarbeit, sind ein gutes Mittel um Enttäuschungen vorzubeugen. Eine fehlende Transparenz im Bereich der Produktentwicklung sollte einen dagegen skeptisch stimmen.

Für welche Projekte lohnt sich ein Dienstleister?

Ein Dienstleister für Softwareentwicklung lohnt sich vor allem für Projekte, bei denen man sich auf die Entwicklung des Kerngeschäftes fokussieren will. Normalerweise verkauft man seinen Kunden eine Lösung für ein branchenspezifisches Problem. Es ist oft hilfreich sich auf seine Kunden und deren Ansprüche zu fokussieren und die technische Umsetzung einem Dienstleister zu überlassen.

Bei mittelgroßen Projekten mit klar definiertem Ende lohnt sich dieses Modell ebenfalls, denn die folgende Weitereinwicklung läuft meist einfacher als mit Freelancern. Für Unternahmen am Anfang ihres Wachstums hat es sich bewährt, die erste Version einer Software extern entwickeln zu lassen und diese dann an ein internes Team, welches zwischenzeitlich aufbaut wurde, zu übergeben.

Fazit

Welches Team das richtige ist, entscheidet sich an den Anforderungen, die man an seine Software hat. Macht Euch diese Entscheidung nicht zu leicht und überlegt, was Euch wirklich wichtig ist und wie ihr dieses Ziel am besten erreicht. Vor- und Nachteile müssen immer auf die Laufzeit des jeweiligen Produkts evaluiert werden. Da nie alle Faktoren bekannt sind, bleibt immer eine gewisse Restunsicherheit. Dienstleister übernehmen im Idealfall mehr Produktverantwortung, Festangestellte und Freelancer sind als Einzelne leichter zu ersetzen. In jedem Fall fordert ein Softwareprojekt eigenes Engagement, sonst wird in es jedem Fall scheitern.

About Olaf Stichtenoth

Olaf Stichtenoth ist Gründer und CEO der secu-ring GmbH. Er ist Experte für die erfolgreiche Realisierung digitaler Lösungen. Sein Hauptinteresse liegt in der Verbindung von Digitalisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen. Dabei verfolgt er grundlegend den Gedanken der Reduktion und der Schnelligkeit. Dazu sagt er selbst: "Beschränkung und Erprobung wird auf Grund der besseren Kostenbilanz der Planung, Erstellung und dem Ausrollen auf lange Sicht den Rang ablaufen."

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.